Winterschnitt auf der Streuobstwiese: Warum wir jetzt aktiv werden

Mitte Januar, in der tiefen Vegetationsruhe, beginnt die entscheidende Phase für die Pflege der Hochstamm-Bäume. Dieser Beitrag erläutert die fachlichen Hintergründe des Winterschnitts und welche Ziele wir damit für die langfristige Gesundheit des Bestandes verfolgen.

Während die Natur scheinbar ruht, ist auf der Streuobstwiese der ideale Zeitpunkt für pflegerische Eingriffe gekommen. Solange die Temperaturen nicht dauerhaft unter -5°C fallen, führen wir jetzt den sogenannten Winterschnitt (oder Erziehungsschnitt) durch.

Dies ist keine kosmetische Maßnahme, sondern ein notwendiger Eingriff in die Physiologie des Baumes, um dessen Vitalität und Ertragsfähigkeit für die kommenden Jahre zu sichern.

1. Physiologische Grundlage: Der Wachstumsanreiz

Der wichtigste Unterschied zum Sommerschnitt (der beruhigend wirkt) ist die Wirkung des Winterschnitts auf den Baum: Er fördert das Triebwachstum im Frühjahr.

Das Prinzip: Aktuell befindet sich der Baum in der Saftruhe. Er hat die Reservestoffe (vor allem Stärke) aus den Blättern in das alte Holz, den Stamm und die Wurzeln verlagert. Wenn wir nun die Krone durch Schnittmaßnahmen reduzieren, steht die im Wurzelwerk gespeicherte Energie im Frühjahr einer geringeren Anzahl von Knospen zur Verfügung.

Die Folge ist ein kräftigerer Austrieb der verbliebenen Knospen. Wir nutzen diesen Effekt gezielt, um:

  • Das Kronengerüst junger Bäume aufzubauen (Erziehung).

  • Alte, vergreiste Bäume zu verjüngen und zur Bildung neuen Fruchtholzes anzuregen.

Bildunterschrift: Ein fachgerechter Schnitt (hier ein Beispielbild einfügen) lenkt die Kraft des Baumes in die gewünschten Bahnen.

2. Hauptziele des Schnitts: Stabilität und Gesundheit

Ein Streuobstbaum, der sich selbst überlassen bleibt, entwickelt oft eine zu dichte Krone und statisch ungünstige, lange Äste. Der Schnitt verfolgt daher zwei primäre Ziele abseits des Wachstumsanreizes:

A) Aufbau eines stabilen Tragwerks Ein Hochstamm muss im Herbst mehrere hundert Kilogramm Fruchtlast tragen können. Durch das Einkürzen von Leitästen verhindern wir das Ausbilden instabiler “Peitschen” und fördern das Dickenwachstum der tragenden Äste. Die Statik des Baumes wird langfristig gesichert.

B) Licht und Luft zur Krankheitsprävention Eine zu dichte Krone ist anfällig für Pilzerkrankungen. Unser Ziel ist eine lockere, “luftige” Krone.

  • Abtrocknung: Nach Niederschlägen müssen Blätter und Früchte durch Wind schnell abtrocknen können. Dies ist die effektivste präventive Maßnahme gegen Schorfbefall.

  • Belichtung: Früchte im Inneren der Krone benötigen Sonnenlicht zur Reifung und zur Ausbildung von Zucker und Aromastoffen.

Wir entfernen daher konsequent nach innen wachsende Äste, sich kreuzende Triebe und die steil nach oben wachsenden “Wasserschosse”.

Bildunterschrift: Ziel ist eine lockere Krone, die Licht und Luft an alle Bereiche lässt.

3. Wichtige Begleitmaßnahmen auf der Wiese

Die vegetationslose Zeit nutzen wir zudem zur Kontrolle der Wieseninfrastruktur, da Wildtiere bei Nahrungsknappheit Schäden anrichten können:

  • Kontrolle auf Wühlmäuse: Besonders bei jungen Bäumen können Wühlmäuse das Wurzelsystem zerstören. Baumscheiben werden auf aktive Gänge kontrolliert.

  • Wildverbiss-Schutz: Rehe und Hasen nagen im Winter an der Rinde. Ein intakter Stammschutz (Drahthosen oder Kunststoffmanschetten) ist zwingend zu prüfen, um irreparable Stammschäden zu verhindern.

Fazit

Der Winterschnitt ist eine Investition in die Zukunft des Bestandes. Die Arbeitstage im Januar legen die Basis für vitale, stabile Bäume, die auch im nächsten Herbst qualitativ hochwertiges Obst liefern können.

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